Über den Massensuizid in Demmin 1945 und andere Geister

Larry wohnt mit ihrer Mutter in Demmin. Für ihre Zukunft als Kriegsreporterin absolviert sie schon jetzt ein Trainingsprogramm um sich gegen Folter und andere Unwägbarkeiten zu wappnen.

Im Haus nebenan wohnt Frau Dohlberg, sie hat mit ganz anderen Geistern zu kämpfen. Als im Mai '45 die Russen kamen und die Einwohner Demmins zu Hunderten in den Selbstmord flüchtetetn, saß auch sie im Keller des Elternhauses und versteckte sich. Und genau dieses Haus soll sie nun verlassen, um in ein Seniorenheim zu ziehen. Beim Packen kriechen die Erinnerungen von Damals aus jeder Ecke hervor. Sei es das weiße Tischtuch, das aus dem Fenster gehängt und danach nie wieder benutzt wurde. Oder das Service mit dem Rosenmuster, von der Mutter das letzte Mal benutzt, gehen gerade beim Packen die Teller zu Bruch.

Die Gespenster von Demmin ist das vielversprechende Debüt Verena Kesslers. Sie versteht es die Gespenster von Damals mit denen von Heute zu einem stimmigen Reigen zu verknüpfen. Man freundet sich schnell an, mit der rotzig-klugen Larissa, die sich der Tristesse und den wechselnden Männern ihrer Mutter entgegenstellt, auch schonmal im Grab Probe liegt. Ganz zu schweigen von den „neuen Nazis“, die im Ort ihr Unwesen treiben. Wie Frau Dohlberg hat aber auch sie schon mit den Geistern der Vergangenheit zu kämpfen.

Wer Tschick oder Auerhaus mochte, wird an diesem Spitzendebüt auf jeden Fall seine Freude haben.

Theresa

Keßler, Verena
Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG
ISBN/EAN: 9783446267848
22,00 € (inkl. MwSt.)