Über Erinnerungen und Erinnertes

Der familiären Vergangenheit nachzuforschen liegt vielleicht in der Familie. Nadja Spiegelman steht hier ganz in der Tradition ihres Vaters Art Spiegelman und dessen Graphic Novel „Maus“ (1980 – 91). Dort spürt dieser den Erinnerungen des Vaters an den Holocaust nach.

Nadja Spiegelman begibt sich in ihrem Debut wiederum auf die Suche nach den Wurzeln ihrer Mutter. Diese zog als junge Frau von Paris nach New York und floh damit quasi vor der Familie. Nadjas Kindheit war geprägt von den negativen Erzählungen der Mutter über ihre Familie. Im weiteren Verlauf wendet sich die Erzählerin der Pariser Großmutter und deren Geschichte zu.

Nadja bohrt nach, sie will die Wahrheit wissen und erfährt dabei, wie tückisch Erinnerungen sein können. Denn die Großmutter erzählt die Geschichten der Mutter teilweise ganz anders.

Das Buch besteht zum großen Teil aus Gesprächen, erzählten und verschwiegenen Erinnerungen und Reiseberichten zwischen Frankreich und New York. Es geht anhand der Einblicke ins Leben der Mouly-Spigelman-Familie großen Fragen nach: Wie verformt sich die Erinnerung durchs Erzählen? Wie kann sich das Erzählen Schicht für Schicht über das Erinnerte legen, bis dessen klare Konturen langsam verschwimmen? Entwickelt letztendlich jeder Mensch seine eigene Version von der Vergangenheit, mit der er leben kann und will?

Ein mitreißend ehrliches Buch. Intensiv. Über ein Thema, das für alle von Bedeutung ist: die Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft.

Eine Empfehlung von Miriam

Spiegelman, Nadja
Aufbau Verlag GmbH & Co. KG
ISBN/EAN: 9783351037055
22,00 € (inkl. MwSt.)