Über die (bleibende) weibliche Wut

Kaum ein Buch empfehle ich so oft und enthusiastisch wie »Die Wut die bleibt« von Mareike Fallwickl. Dafür gibt es viele gute Gründe:
Eine Geschichte, die eine*n sofort in den Bann zieht und nicht so schnell wieder loslässt. Protagonistinnen, mit denen man sich identifiziert und die man gleichzeitig manchmal wachrütteln will. All das verfasst in einer eindringlichen, direkten Sprache.
Am 16.04. ist der inzwischen vierte Roman der österreichischen Autorin erschienen. Auf kaum eine Neuerscheinung habe ich dieses Jahr so sehr hin gefiebert wie diese. Und sie hat alle meine Erwartungen erfüllt!

Nachdem in »Die Wut die bleibt« Themen wie patriarchale Strukturen und unbeachtete Care-Arbeit vor allem auf der privaten Ebene der Protagonist*innen verhandelt wurden, setzt sich die Autorin in ihrem neuen Werk »Und alle so still« nun genau damit auf einer gesellschaftlichen Ebene auseinander: was tun mit der Wut über das patriarchale System, über die unzureichende Wertschätzung weiblicher Arbeit auf allen Ebenen des Lebens?
 

»Aber was kommt nach der Wut? Fragt Barbara wie eine, die darüber schon oft nachgedacht hat.«
 

Diese Fragen stellen sich die beiden Frauen Elin und Barbara, die auf den ersten Blick wenig verbindet; Elin wohnt in einem Hotel, das ihrer Mutter gehört und ist erfolgreiche Influencerin, während Barbara als Pflegefachkraft in einem Krankenhaus all ihre Ressourcen für die Patient*innen aufzubrauchen scheint. Doch beide stoßen in ihren Umgebungen an Grenzen, an denen sie zu zerbrechen drohen.
An Grenzen stößt auch der 19-jährige Nuri. Durch ihn wird das Geschehen auch aus der Sicht eines Mannes beleuchtet und erhält so eine zusätzlichen, wertvollen Blickwinkel.

Der Roman verhandelt strukturelle Probleme und deren Auswirkungen, indem er der Frage nachgeht: Was wäre, wenn plötzlich alle Frauen ihre Arbeit niederlegen? Nicht nur die Erwerbsarbeit, sondern auch all die großen und kleinen Aufgaben, die täglich verrichtet werden müssen, um den Alltag zu bewältigen?
In einer fast dystopisch-anmutenden Geschichte beschreibt Fallwickl die möglichen Auswirkungen feministischen Widerstandes und Zusammenhalts.
 

»Das ganze System beruht auf unserer Verfügbarkeit. Unserer Körper, unserer Kraft, unserer Zeit. Diese Verfügbarkeit zu entziehen, ist die einzige Möglichkeit, die uns noch bleibt.«
 

Dabei zeigt sie auf 365 Seiten viele verschiedene Lebensgeschichten und -entwürfe, die doch alle eine Gemeinsamkeit haben: die Wut und damit verbundene Sehnsucht nach einer anderen Form des Lebens, nach einem anderen Umgang miteinander.

Ein faszinierender Roman über weibliche Solidarität, der gleichzeitig Wut und Mut macht und der sich trotz wichtiger und teilweise schwerer Themen leicht liest und sich anfühlt wie die Umarmung einer besten Freundin, wenn man sie am meisten braucht.
 

»Sie weiß, was sämtliche Frauen auf dieser Welt wissen: Was einer von uns geschieht, geschieht uns allen.« (Die Wut die bleibt)

 

Ein Buchtipp von Katharina


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