Berühmte letzte Worte - Luise verabschiedet sich
Ich bin Luise und seit 2018 beim heiter bis wolkig dabei. Ich kenne das heiter bis wolkig also fast seit Beginn und habe es durch viele Phasen begleitet – und es mich ebenso durch meine Phasen. Nun werde ich meine Anstellung hier schweren Herzens aufgeben, um mich voll und ganz auf meine Selbstständigkeit als Illustratorin und Grafikdesignerin konzentrieren zu können.
Es ist gar nicht so leicht, zurückzublicken, ohne nostalgisch zu werden. Das heiter bis wolkig hat sich immer wieder gewandelt (erinnert sich noch jemand an den ganz kleinen Laden in der LuWu 69, mit dem mal alles anfing?) und ebenso vielfältig waren meine Aufgaben hier: Ich habe Veranstaltungen organisiert, Werbemittel gestaltet, Öffentlichkeitsarbeit gemacht, Schaufenster bemalt und natürlich viele Stunden im Laden gestanden. Und, nicht zu vergessen: Ich war die Person hinter diesem Newsletter hier. Diese Aufgabe wird fortan Henriette übernehmen, die ihr ja schon von vorigen Texten hier kennt.
Bei der Überlegung, was ich zum Abschied gern noch schreiben würde, ist mein Blick auf mein Bücherregal gefallen. Ich habe durch meine Arbeit hier eine feine Sammlung von signierten Büchern zusammen bekommen. Das Großartige nämlich, wenn man Lesungen organisiert: Man kann all die Autor*innen einladen, die man selbst toll findet, und sich dann eine Signatur ins eigene Lieblingsbuch schreiben oder zeichnen lassen. Juhu! Und so hatte ich in den letzten Jahren einige Fangirl-Momente. Von den aufregendsten und schönsten möchte ich euch hier gern berichten:
»Baba Anna« – Yaroslava Black & Ulrike Jänichen
Yaroslava und Ulrike hatten wir schon einmal mit ihrem Bilderbuch »Zug der Fische« zu Gast und so lag es nah, sie auch mit ihrem neuen Buch wieder einzuladen. Die Lesung fand als »Bilderbuchkino« im Puschkino statt, als Teil einer langjährigen Kooperation. Und, sie war zweisprachig, auf Deutsch und Ukrainisch! Das heißt, sämtliche Werbung musste zweisprachig angelegt werden, Plakate, Texte, Instagram-Slides. Es war eine Menge Arbeit, und ich habe zwischendurch ein bisschen geflucht, aber unsere Idee ging auf: Es kamen viele sowohl ukrainische als auch deutsche Besucher*innen und nach der Lesung entspann sich ein ganz wundervolles interkulturelles Gespräch über Brauchtum, den Umgang mit dem Tod und natürlich die Entstehung dieses besonderen Bilderbuches.
»Baba Anna« erzählt vom Tod einer Großmutter aus Sicht der kleinen Enkelin. Es ist ein einfühlsames, aber auch fröhliches Buch über ukrainische Bräuche und die Erlebniswelt eines Kindes, das sich mit dem Tod auseinandersetzen muss.
»Drei Wege« – Julia Zejn
Als begeisterte Comic-Leserin musste ich natürlich wenigstens einmal eine Comic-Lesung initiieren. Wir hatten ein paar Fördergelder und konnten die Lesung auf dem WUK Theaterschiff stattfinden lassen – auf dem Schiffsdeck, direkt an der Saale, über uns die Burg Giebichenstein, und vor uns auf der Leinwand die feinen und tiefgründigen Zeichnungen von Julia Zejn. Ein absoluter Traum! »Drei Wege« erzählt von drei Frauen in drei verschiedenen Epochen, von ihren Realitäten, ihren Wünschen, aber auch den Grenzen, die ihnen als Frauen in ihrer Zeit gesetzt werden.
»Kissenschlacht im Nachtexpress« – Alexander von Knorre
Eine unserer ersten Lesungen, die wir im neuen Laden in der Gütchenstraße veranstaltet haben. Endlich hatten wir einen Laden, der genug Platz für Lesungen bot, was für ein Luxus! Alexander von Knorre kenne ich schon länger persönlich (die Illustrator*innen-Bubble ist klein). Er ist ziemlich produktiv und schreibt und illustriert irre lustige Kinder-Geschichten. »Kissenschlacht im Nachtexpress« ist eine abenteuerliche Zugreise nach St. Petersburg, mit allerlei kuriosen Begebenheiten und chaotischen Mitreisenden. Es war also nicht verwunderlich, dass die Kinder die Lesung geliebt haben und vor Lachen kopfüber in den Sitzkissen herumkullerten. In mein eigenes Exemplar des Buches habe ich mir von Alexander eine Karlotta zeichnen lassen, die zwar nicht die Hauptfigur, aber meine Lieblingsfigur im Buch ist.