Eine Sammlung wird lebendig

Das Konzept dieser Graphic Novel ist, finde ich, besonders interessant: Es basiert auf der Sammlung von Werner Abresch, in der er Gegenstände der Alltagskultur aus der Nachkriegszeit sammelte. Darunter befinden sich z.B. Hochzeitkleider aus Fallschirmseide oder Vasen aus Granathülsen – Gegenstände also, die oft aus der Not heraus entstanden waren. 

Das Buch besteht aus mehreren kurzen Geschichten von verschiedenen Zeichner*innen, die sich jeweils einem Objekt aus der Sammlung zuwenden: Wie ist das Objekt entstanden, wer hat es genutzt, welche Bedeutung hatte es für die Menschen? Manchmal fiktiv, manchmal nach wahren Begebenheiten, erzählen die Geschichten von der Zerstörung des Krieges, von Mangel und Schuld, aber auch von Einfallsreichtum und kleinen Glücksmomenten. 

Die Erzähl- und Zeichenstile der Künstler*innen sind sehr verschieden, aber alle sehr toll und sie ergänzen sich, finde ich, sehr gut. Ich bin eh ein großer Fan von Julia Zejn und Mikael Ross und kann auch ihre anderen Comics uneingeschränkt empfehlen. In ihrer Gesamtheit gelingt es den Geschichten, die Stimmung und das Lebensgefühl dieser Zeit einzufangen. Dass die Geschichten Comics sind, ermöglicht einen ganz anderen Zugang und lässt die Objekte der Sammlung auf besondere Weise lebendig werden.

Hinten im Buch erklärt ein ausführliches Glossar alle wichtigen Begriffe, sodass das Buch auch für Jugendliche geeignet ist. Ein gewisses Vorwissen über den Zweiten Weltkrieg und den Nationalsozialismus ist aber hilfreich beim Lesen. 

Ein Buchtipp von Luise


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