Reise zu den Eiszeitmenschen
In Büchern über die Steinzeit sehen wir meistens Männer beim Jagen, Feuerstein schlagen oder Höhlen bemalen. Von den Eiszeitmenschen selbst sind aber hauptsächlich Abbildungen von Frauen erhalten, oft als kleinen Figuren, mit opulenten Formen und großen Vulven. Was waren das für Gesellschaften, die diese Figuren schufen, und welche Rolle hatten Frauen in ihnen? So viel kann man wohl ahnen: Eine sehr wichtige.
Sorgsam und mit differenziertem Blick trägt Ulli Lust in ihrem Sachcomic »Die Frau als Mensch« Recherchen und wissenschaftliche Erkenntnisse über die Menschen der Eiszeit zusammen. Ihre lebendigen Bleistiftzeichnungen fächern eine längst vergangene Kultur vor uns auf. Sie erzählen, wie die Menschen zusammen lebten, wie sie sich organisierten, was ihnen wichtig war. Sie erzählen von einem Leben, das nur gemeinsam bestanden werden konnte, vor allem durch und mit den Frauen. Von Solidarität, Empathie und Naturverbundenheit.
Ich hatte wirklich das Gefühl, durch das Buch in die Eiszeit zu reisen und für eine Weile mit den Menschen dort zu leben. Ich stellte mir vor, wie ich mich fühlen würde, welche Aufgaben ich übernehmen würde. Meine Lieblingsstelle ist die, in der ein junges Mädchen mit einem rituellen Tanz ihre erste Menstruation feiert. Da habe ich mir gewünscht, dass wir heute das doch auch tun könnten, statt Mädchen nur zu erklären, wie Tampons funktionieren.
Dieser Comic hat mich sehr zum Nachdenken angeregt, über das Frausein an sich und auch über das gesellschaftliche Miteinander, das wir heute haben oder auch haben könnten. Das Buch bietet einen wunderbaren und erfrischenden Einstieg in eine Zeit, von der man gar nicht dachte, wie interessant sie eigentlich ist.
Ein Buchtipp von Luise