Wie man in den Wald hinein schreibt ...

Vier besondere Bücher, in denen Wälder eine wichtige Rolle spielen

Neben den Meeren sind Wälder wahrscheinlich die Landschaft, die am häufigsten Eingang in Romane findet. Wälder faszinieren Menschen seit eh und je, sind Teil unserer Sehnsüchte aber auch unserer größten Ängste. Wälder können undurchdringlich und gefährlich sein, Tatorte für Verbrechen und düstere Geheimnisse. Aber sie bieten auch Schutz und Geborgenheit, sind Zufluchtsort und Heimat. Wir möchten euch hier vier waldreiche Titel vorstellen, die uns besonders gut gefallen haben.

»Der Gott des Waldes« von Liz Moore

Dieses Buch ist viel mehr, als ein Krimi. Der Roman spielt im Sommer 1975 in den Wäldern der Adirondack Mountains: Die 13-jährige Barbara Van Laar verschwindet spurlos aus einem Feriencamp, das ihre reiche Familie betreibt – und das bereits 14 Jahre zuvor durch das Rätsel um den Bruder Bear erschüttert wurde. Aus verschiedenen Perspektiven – darunter Camp-Betreuerinnen, eine junge Ermittlerin, Familienmitglieder – entfaltet sich ein vielschichtiges Bild. Moore verwebt dabei die soziale Kluft zwischen den privilegierten Van Laars und dem arbeitenden Milieu, deckt Machtmissbrauch, Klassenunterschiede und verdrängte Geheimnisse auf.

Durch die verschiedenen Perspektiven entwickelt dieser Roman einen Sog, dem ich mich nicht entziehen konnte. Eine absolute Empfehlung für alle, die sich gern packen lassen, dabei aber nicht auf inhaltliche Tiefe verzichten möchten und einen hervorragend konstruierten Plot zu schätzen wissen! (Theresa)

»Schattengrünes Tal« von Kristina Hauff

In diesem spannenden Roman wird ein kleines idyllisches Dörfchen im Schwarzwald Schauplatz einer fein säuberlich geplanten Intrige und eines bösen Racheplans. Im dunklen Tal, zwischen Bäumen und Berghängen spinnt sich ein düsteres Netz, das sich immer enger um die Protagonistin Lisa zuzieht.

Lisa wohnt mit ihrem Ehemann in einem kleinen Häuschen am Dorfrand. Am Hang gegenüber steht das Hotel ihrer Eltern, das jetzt nur noch von ihrem Vater geleitet wird und immer mehr herunterkommt. Nur noch wenige Gäste verirren sich in die ausgestorbenen Korridore des alten Gebäudes. Bis die geheimnisvolle Daniela auftaucht, in das Hotel »Zum alten Forsthaus« einzieht und sich immer mehr in das Leben, die Ehe und die Freundschaften von Lisa einmischt. Und jetzt ist in Lisas Leben nichts mehr so, wie es mal war.

Der Schwarzwald ist hier die perfekte Kulisse für dunkle Machenschaften und Geheimnisse, aber auch für wunderschö
ne Natur- und Dorfgemeinschaftsmomente. (Henriette)

»Stammzellen« von Alina Lindermuth

In einer nicht allzu fernen Zukunft breitet sich weltweit die Dendrose aus und verwandelt Menschen in Bäume – die Anthrodendren. Von Hornhaut an den Zehen über das Zusammenwachsen der Beine, die Versteifung der Gelenke bis hin zum vollständigen Rindenüberzug und schließlich der Verpflanzung in die Erde beschreibt Alina Lindermuth fast zu genau, wie der Mensch zum Baum wird. Wissenschaftlich lässt sich das Phänomen nicht erklären, und so scheint die Krise unaufhaltsam. Mittendrin verliebt sich Dendrose-Spezialistin Ronja in Elio, mit dem sie eine Zukunft plant, bis die beiden plötzlich auch persönlich von der Dendrose betroffen sind. 

»Stammzellen« hat mich komplett abgeholt und sehr gut unterhalten. Es liest sich wie ein Schmöker, teilweise beinahe kitschig, und behandelt gleichzeitig so viele interessante und gesellschaftspolitische Themen, über die ich noch lange nach der Lektüre nachgedacht habe; Wohin mit all den Bäumen, die unsere Verwandten waren (oder sind)? Wer hat Platz für die Verpflanzung, wer nicht mal einen Balkon zur Verfügung? Wie reagiert das kapitalistische System auf die neuen Umstände? Wie wird das Phänomen für politische Mobilisierung gegen bestimmte Gruppen eingesetzt? Und was ist überhaupt los? Schlägt die Natur zurück? (Darlene)

»Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft« von Fiona Sironic

Es ist heiß. Era lebt mit ihrer Mutter in einer Hütte am Waldrand, denn in der Stadt geht es nicht mehr lange gut. Während sie mit Stift und Klebeband das Aussterben der Vögel dokumentiert, sprengt ihr Crush, Tochter von Mumfluencerinnen, anonym im Stream Festplatten in die Luft. Natürlich entwickelt sich da was, und der nächste Waldbrand lässt nicht lange auf sich warten. Dystopie mit coolen Ideen und experimentellem Sound, die zugleich ziemlich aktuell ist und mir großen Spaß gemacht hat. (Jonas)


Bibliographie
Tipp
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Der Gott des Waldes
Liz Moore
Der Gott des Waldes
Roman
EAN: 978-3-406-82977-2
"Wenn du dich verläufst: Setz dich hin und schrei!" Manche sagen, es sei tragisch, was den Van Laars widerfahren ist. Manche sagen, die Familie habe es verdient. Sie hätten sich nicht einmal bei den Suchern bedankt, die fünf Nächte lang im einskalten Wind ausharrten, um ihren vermissten Sohn zu finden. Manche sagen, es habe einen Grund gegeben, warum die Familie so lange brauchte, um Hilfe zu rufen. Dass sie wussten, was mit dem Jungen geschehen war. Jetzt, vierzehn Jahre später, ist die Tochter der Van Laars in derselben Wildnis wir ihr Bruder verschwunden. Manche sagen, es gebe keine Verbindung zwischen den beiden Fällen. Manche sagen, so etwas könne kein Zufall sein. Es ist August 1975, ein Sommer, der das Leben vieler Menschen in den Adirondack Mountains für immer verändern wird. Als Barbara eines Morgens nicht wie sonst in ihrer Koje im Sommercamp liegt, beginnt eine panische und groß angelegte Suche nach der 13-Jährigen. Das Verschwinden einer Jugendlichen im Naturreservat ist unter allen Umständen eine Katastrophe, aber Barbara ist keine gewöhnliche Camperin: Sie ist die Tochter der reichen Familie Van Laar, der das Camp und das umliegende Land in den Wäldern gehören. Und sie ist die Schwester von Bear, dem Jungen, der seit 14 Jahren vermisst wird. Kann das Zufall sein? Was wissen die anderen Kinder im Camp über Barbaras Verschwinden, und was verheimlichen die Angestellten, die im Schatten der Van Laars ihr Dasein fristen? Was hat der aus dem Gefängnis entflohene 'Schlitzer' mit all dem zu tun und welche Geheimnisse hütet die Familie selbst? Mit scharfem Blick führt Liz Moore in ihrem neuen packenden Roman an die Abgründe von sozialer Ungleichheit, Wohlstandsverwahrlosung und Machtmissbrauch, lässt aber auch den Kampf um weibliche Selbstbestimmung und den großen Wert von Freundschaft hochleben. Mit 'Der Gott des Waldes' hat sie nicht nur einen brillanten Thriller, sondern auch einen fulminanten Gesellschaftsroman geschrieben. "Ein brillantes, fesselndes Meisterwerk!" Miranda Cowley Heller, Autorin von "Der Papierpalast" New York TimesBestseller Empfehlungstitel auf Barack Obamas Summer Reading List Gewinnerbuch von Jimmy Fallons Summer Read Book Club Neue Miniserie von "Long Bright River" bei Peacock Miniserie von "Der Gott des Waldes" in Planung "Ein literarischer Thriller, der einem die Luft zum Atmen nimmt." Glamour

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Tipp
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Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft
Fiona Sironic
Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft
Roman - Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2025 - Gewinnerin des open mike 2019 I Shortlist Puchheimer Literaturpreis 2025
EAN: 978-3-7530-0106-7
Eine erste Liebe zwischen Festhalten und Vernichten, Aussterben und Weiterleben Es brennt. In den Wäldern und auf den Screens. Die 15-jährige Era lebt mit ihrer Mutter am Waldrand und versucht dem schleichenden Prozess der Zerstörung etwas entgegenzusetzen, indem sie das Aussterben der Vögel dokumentiert. In einem Stream beobachtet sie ihre Mitschülerin Maja und deren Schwester Merle, die auf der benachbarten Lichtung Festplatten in die Luft jagen. Maja ist die Tochter zweier Momfluencerinnen, die versucht, die Erinnerungen an eine öffentliche Kindheit auszulöschen. Während Era Notizbücher führt, Zeichnungen anfertigt und all das Wissen, auf das sie Zugriff hat, zu ordnen versucht, bildet Maja eine zerstörerische Gegenkraft. Dennoch sind Era und Maja verbunden in ihrer Suche nach Intimität und analogen Reizen. Während die Turteltaube ausstirbt, verlieben die beiden sich ineinander. Aber nicht nur die Vögel sind bedroht: Als ein großflächiger Brand den Wald zerstört, verlieren auch die Mädchen einen bedeutenden Teil ihres Lebensraums. Souverän und klug überzeugt Sironic mit einer neuen literarischen Stimme.  'Eine wilde, witzige, weise Expedition in unsere Zukunft.' Julia von Lucadou, Autorin von Die Hochhausspringerin 'Ein dichtes und vielschichtiges Debüt, dessen rund 200 Seiten in Nullkommanichts weg gelesen sind, aber umso länger nachhallen und zum Nachdenken anregen.' Alexandra Friedrich, NDR 'Unruhig, einfallsreich, konfliktfreudig und komisch hält uns dieses Buch durch seine Geistesgegenwart bis zur letzten Seite in Atem.' Jury des Deutschen Buchpreises 2025 

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