So ganz allmählich wirft der Herbst sein schönes buntes Kleid ab und wandelt sich in seine grieselgrau-kalte November-Variante, in der man eigentlich am liebsten keinen Fuß mehr nach draußen setzen möchte. Aber warum sollte man auch, wenn es Bücher gibt? Endlich ist die Zeit, in der man sich ganz ohne schlechtes Gewissen nach drinnen und zwischen Buchseiten verkrümeln kann!
Das passende Lesefutter genau dafür haben unsere Teammitglieder Charlotte, Henriette und René für euch parat. In kurzen Videos erzählen sie euch von euren Lieblingsbüchern für diesen Herbst und warum genau diese Bücher ihnen so gefallen haben. Von Science Fiction über Familiengeschichten bis hin zu einer spannenden Detektivgeschichte ist wieder ein breites Spektrum dabei.
Charlotte hat euch »Die Passantin« von Nina George und »Botanik des Wahnsinns« von Leon Engler mitgebracht:
René hält mit »2033« von Bijan Moini einen spannenden Zukunftsroman für euch bereit:
Henriette zählt in diesem Herbst »Frag Philomena Freud – Die Perlenspinne« von Annette Roeder und »Treppe aus Papier« von Henrik Szántó zu ihren Lieblingen:
Die gefeierte Filmikone Jeanne Patou erfährt aus dem Fernsehen, dass sie für tot gehalten wird. Für Jeanne ist es die Chance, unterzutauchen und so ihrem Ehemann zu entkommen, der gleichzeitig ihre größte Obsession und ihre fatalste Leidenschaft ist. Sie verschwindet in die Anonymität - und in einen Kosmos der untergetauchten Frauen, mit denen sie ein altes Haus in Barcelona bewohnt. Während sie ihre Schicksale kennenlernt, wird ihr auch ihr eigenes immer deutlicher. Viereinhalb Jahre später streift Jeanne über die La Rambla, eine Passantin unter vielen, als sie plötzlich ihrem Mann begegnet. Ihr ist klar: Sie muss sich stellen - ihrem Mann, aber vor allem sich selbst. Die Passantin ist ein empathischer, rasanter und zorniger Roman über eine Selbstfindung, eine Starkwerdung, eine Emanzipation, ein Auftauchen aus festgefahrenen Strukturen, um zum wahren Kern zurückzufinden.
Über Nina George
Nina George, geboren 1973, ist Schriftstellerin, Journalistin, Übersetzerin und Moderatorin. Gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Schriftsteller Jens J. Kramer, schreibt Nina George außerdem Kinderbücher. Für ihr literarisches Werk sowie ihr kulturpolitisches Engagement, u. a. als politische Beauftragte des European Writers Council, als Gründerin des Netzwerks Autorenrechte und als Initiatorin der Initiative #frauenzählen, wurde Nina George als BücherFrau des Jahres ausgezeichnet und erhielt das Bundesverdienstkreuz. Nina George lebt in Berlin und in der Bretagne. www.ninageorge.de
Leseprobe
2019 Eben ist mein Mann an mir vorbeigegangen. Auf der La Rambla, er mochte Barcelona eigentlich nie, und die Frau an seiner Seite studierte konzentriert die Schaufensteraus- lagen der geschlossenen Läden, während er sie am Ellenbogen mit seiner weichen Hand unerbittlich weiterführte. Mein Mann hielt die Frau fest und starrte jedem, der mit einer Estelada-Flagge Richtung der Basilika Sagrada Família hastete, mit saurer Verachtung ins Gesicht. In der Ferne das Geräusch hochdrehender Motoren der Wasserwerfer, die die Innenstadt einkesselten. Brandgeruch. Mein Mann sah mich an, als er an mir vorbeiging, und ich ihn, flüchtig, vage, eine Passantin im wachsenden Strom der Demonstranten. Er hatte mich nicht erkannt, oder vielleicht doch, und sich gesagt, dass es nicht sein konnte, denn schließlich war ich seit viereinhalb Jahren tot.