Details
Weitere Details
13.08.2013
Deutsch
467 S.
3.3 x 19 x 12 cm
Suhrkamp Verlag GmbH
info@suhrkamp.de
Torstr. 44
DE 10119 Berlin
Lieferbar innerhalb 24 Stunden
Unser Tipp für Sie
Mit dem Februar erwartet uns nicht nur die zarte Hoffnung auf den Frühling, sondern auch der Valentinstag. Romantik, Paarbeziehungen und die »große Liebe« werden in der Literatur wie auch in der Gesellschaft häufig thematisiert und idealisiert.
Da dies also an anderer Stelle schon zur Genüge getan wird, möchte ich den (literarischen) Fokus hier auf die oftmals weniger zelebrierten, aber nicht weniger wichtigen Aspekte und Formen der Liebe legen.
Die Literaturwissenschaftlerin und Aktivistin bell hooks untersucht in »Alles über Liebe – Neue Sichtweisen« gängige Vorstellungen davon, wie (romantische) Liebe auszusehen hat, setzt dies in Zusammenhang mit unserer westlichen Kultur und dem Patriarchat. Sie beleuchtet typische Konzepte wie die heteronormative Kernfamilie, Besitzansprüche sowie die Annahme, Liebe sei nur ein Gefühl statt (auch) eine Entscheidung, kritisch.
Es klingt dabei an, dass diese unter Umständen weder ausreichend noch förderlich für das Wohlbefinden und Wachsen zwischenmenschlicher Beziehungen sind.
Sie kommt so zu dem Schluss, dass eine große Bedeutung, ja sogar eine Notwendigkeit auf der Kultivierung von kollektivem Zusammenhalt und Gemeinschaft liegen muss. Das bedeutet nicht zwingend eine Abkehr von der bekannten Paar-Beziehung, sondern eher eine zusätzliche Offenheit gegenüber anderen, ebenso tragfähigen zwischenmenschlichen Verbindungen.
Es ist ein außergewöhnlich kluger, augenöffnender Text. Wer weitere Sachbücher lesen möchte, die sich kritisch mit der Liebe im Kapitalismus auseinandersetzen, ohne dabei trost- oder hoffnungslos zu sein, dem*der kann ich die Texte von Eva Illouz (z.B. »Warum Liebe weh tut«) und Sarah Diehl (»Die Freiheit, allein zu sein«) wärmstens ans Herz legen.
Romane wie »Morgen, Morgen und wieder Morgen« (Gabrielle Zevin), »Meine geniale Freundin« (Elena Ferrante) und »First Love: Essays on Friendship« (Lilly Dancyger, nur Englisch) stellen freundschaftliche Beziehungen mit all ihren Besonderheiten, Ritualen und auch Konflikten in den Mittelpunkt. Sie zeichnen ganz verschiedene, inspirierende Bilder davon, wie wertvoll und wichtig das Aufgefangen-Sein in einer Freundschaft wirkt und erzählen vom Finden und Wieder-Finden von Herzenspersonen über das Leben hinweg. »Blue Sisters« (Coco Mellors) verhandelt die mal mehr, mal weniger enge Beziehung von drei Schwestern und ihren Umgang mit dem Tod eines Familienmitglieds auf melancholisch-schöne Weise. Dieses Buch zeigt uns, wie die Liebe unter Schwestern durch das Leben tragen, und das Leben ertragen helfen kann.
Wie ihr seht, muss es also am Valentinstag gar nicht zwingend um rote Rosen, filmreife Kussszenen oder herzerweichende Liebesromane gehen, auch wenn diese natürlich auch ihren Platz und ihre Berechtigung haben. Vielmehr können wir ihn zum Anlass nehmen, dankbar für alle Formen der Hingabe zu sein, die auf ganz unterschiedliche Weise unsere Leben bereichern.
Schließlich eint uns noch eine weitere Liebe: die zur Literatur. Ich lade euch deshalb ein, in diesem Monat vielleicht ein Buch eures*eurer Lieblingsautor*in hervorzukramen und darin zu schmökern. Ich wünsche euch, dass ihr euch dabei oder im Gespräch und (ganz nach bell hooks) der Gesellschaft anderer Buchliebhaber*innen, immer wieder neu in das geschriebene Wort verliebt.
Von Katharina