Details

ISBN/EAN: 978-3-7011-8297-8
Einband: gebundenes Buch
Weitere Details
Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
288 S.
Format (T/L/B):
3 x 21.3 x 13.6 cm

Hersteller:
Leykam Buchverlagsges.m.b.H.& Co.KG
office@leykamverlag.at
Dreihackengasse 20
AT 8020 GRAZ


Weitere Details arrow_forward_ios
24,00 €

Lieferbar innerhalb 24 Stunden

Unser Tipp für Sie

"Wut. Ich will schreien, die ganze Zeit.", schreibt Manon Garcia in ihrer Abhandlung über den Pelicot-Prozess "Mit Männern leben" und referiert damit auf ein Gefühl, das gerade ein neues Hype-Genre dominiert: Female Rage-Literatur.

 

Feministische Wut-Romane haben sich in den letzten Monaten nicht nur zu meinen Lieblingsbüchern, sondern auch zu meinem Forschungsinteresse in der Literaturwissenschaft entwickelt, weil in ihnen ganz viel Tolles steckt. Zum einen stellt Female Rage an sich einen Widerspruch dar. Wütende Frauen sind gesellschaftlich nicht vorgesehen, weiblich und wütend wird kaum zusammen gedacht. Gründe für die Wut von Frauen werden im patriarchalen System seit jeher abgesprochen und delegitimiert. Texte über wütende Protagonistinnen machen lang unterdrückte Affekte kollektiv lesbar. Sie zeigen, dass Wut angebracht und notwendig ist und welches Potential zur Ermächtigung in ihr steckt. Vor allem aber bringen sie das Thema der genderspezifischen Gewalt auf den Tisch.

Um mich ganz meiner Masterarbeit zu Female Rage-Literatur zu widmen, verlasse ich Halle und damit auch heiter bis wolkig schweren Herzens, aber natürlich nicht ohne drei letzte Buchtipps. Eine erweiterte Auswahl findet ihr aktuell im Schaufenster in der LuWu, für ganz viel Lesestoff, um auch über den feministischen Kampftag hinaus wütend zu bleiben. 

 

Eva Reisingers "Männer töten" wird als eine Art Rachefantasie oder radikalfeministische Utopie beschrieben. Anna Maria zieht von der Großstadt in
ein österreichisches Dorf und findet dort eine matriarchale Gesellschaft vor, in der Männer scheinbar kaum eine Rolle spielen. Neben Bauernhof-Idylle und
Liebesgeschichte kommen Fragen auf, die Antworten sind ungewöhnlich. Das Buch hat mir großen Spaß gemacht.

 

"Wenn wir lächeln" von Mascha Unterlehberg erzählt rasant von ein paar Minuten, in denen die 16-jährige Jara von einer Brücke auf einen Fluss hinunter schaut, in den ihre beste Freundin Anto gerade gesprungen ist. Ihre Gedanken springen zwischen Erinnerungsflashbacks an ihre Jugend, sexualisierte Gewalt und einen Wutausbruch hin und her, während ich am liebsten die Luft anhalten wollte und die Unklarheit kaum aushalten konnte, ob Anto wieder auftauchen wird. Die Gefühle der beiden sind ansteckend und haben mich richtig mitgerissen. 

 

Monika Kims "Das Beste sind die Augen" verbindet Female Rage mit feministischen Rachefantasien und Body Horror. Nach der Trennung ihrer Eltern müssen Jiwon und ihre Schwester mit dem neuen weißen Freund ihrer Mutter zusammenleben, der die beiden fetischisiert und sich wiederholt übergriffig verhält. Jiwon entwickelt eine Obsession mit den blauen Augen des Mannes, der sie immer wieder anstarrt, ihre Gedanken werden immer radikaler und es drängen sich Träume vom Verspeisen
der Augen auf. Nichts für schwache Nerven, aber fesselnd und unterhaltsam.

In diesem Sinne, macht's gut! 

Darlene

Lesen Sie unsere vollständige Rezension

Beschreibung

'Wer ist Opfer, wer Täter*in?' Rasant erzählte Utopie eines wehrhaften Feminismus. Anna Maria lebt ein typisches Großstadtleben: Sie arbeitet in einer hippen Firma, geht am Wochenende mit ihren Freundinnen feiern und hat eine komplizierte Ex-Beziehung. Bis sie Hannes an der Bar eines Nachtclubs kennenlernt. Er ist aus Engelhartskirchen, einem oberösterreichischen Dorf, von dem sie bis dahin noch nie gehört hat. Und ganz sicher rechnet sie nicht damit, eines Morgens mit Hannes in diesem Nest aufzuwachen. Als es doch passiert, lassen die Klischees zunächst grüßen: Kühe, Knödel, Kirchturmglocken. Dann aber bemerkt Anna Maria, dass nicht alles ins Bild passen will. Warum gibt es eine Pfarrerin, obwohl das Dorf katholisch ist? Wie kommt es, dass die Frauen hier viel lauter feiern als anderswo? Wo sind die Männer hin? Und was hat das alles mit Kathrin Glock zu tun? Eva Reisinger erzählt eine skandalöse Geschichte über Macht, Freundinnenschaft und weiblichen Zusammenhalt in einem ungewöhnlichen Setting. Eine Tour de Force durch dringliche Themen der Gegenwart, voller popkultureller Poesie.

Leseprobe

Auszug aus Männer töten (© Leykam Verlag, unredigierte Leseprobe) Jesolo ist in knallgelben Großbuchstaben auf die Postkarte gedruckt. Tropfende Eis-creme und warmer Rotwein in Pappbechern. Anna Maria erinnert sich augenblicklich, als sie die Karte aus dem Briefkasten fischt. In Socken steht sie da und spürt den aufgewärmten Asphalt durch die Löcher. Hinter dem Schriftzug erstreckt sich ein endloser Sandstrand mit so vielen Sonnenschirmen, dass sie diese nicht zählen kann. Sie reihen sich aneinander wie die Punkte auf einem Dalmatiner. Menschen über Menschen am Strand aufgefädelt. In Italien ist das okay. In Italien ist alles okay, weil es Italien ist. Sie dreht die Karte um, sie ist an Hannes adressiert. Die Schrift mit den Schnörkeln und Kreisen statt i-Punkten wirkt weiblich. Anna Maria scannt die Karte. 'Bussis wie immer, deine Mama', steht am unteren Rand. Warum sie und Friedrich damals ausgerechnet nach Jesolo gefahren sind, daran erinnert sie sich nicht. Dafür an den geliehenen SUV seines Vaters und das alte Zelt ihres Vaters. Sie konnten weder besonders gut Auto fahren, noch waren sie jemals campen. Aber sie wollten gemeinsam in den Urlaub und hatten kein Geld. Außerdem liebte Friedrich den Film La Grande Bellezza, Anna Maria liebte Aperol Spritz.
Bleiben Sie auf dem Laufenden - abonnieren Sie unseren Newsletter.
Unsere Datenschutzerklärung können Sie hier abrufen.
Die E-Mail-Adresse, die den Newsletter erhalten soll.