Heiße Ware
Vier besondere Bücher, in denen es heiß ist
Die letzte Hitzewelle hier in Halle ist ja zum Glück wieder ein bisschen her, aber wir alle wissen, dass uns Hitze in Zukunft immer häufiger heimsuchen wird. Und da Bücher auch ein Spiegel der Realität sind, haben Hitzewellen längst Eingang in die Belletristik gefunden – auf ganz unterschiedliche Weisen. Wir möchten euch hier vier »heiße« Titel vorstellen, die uns besonders beeindruckt haben.
»Ewig Sommer« von Franziska Gänsler
Staubtrockene Luft, von Asche überzogene Wiesen und graue Flocken auf den Gartenmöbeln – obwohl es bereits Oktober ist, brennen die Wälder um den kleinen Ort Bad Heim. Seit Wochen hat sich kein Mensch in die Region gewagt und im Hotel Bad Heim eingecheckt. Dann steht eine junge Frau mit ihrer kleinen Tochter vor der Tür. Die Hotelbesitzerin Iris ahnt sofort, dass etwas nicht stimmt. Was verschlägt die beiden ins Brandgebiet?
Als 2022 Franziska Gänslers »Ewig Sommer« erschien, musste ich es an einem Stück durchlesen und empfehle es seitdem immer wieder als Sommerbuch. Der Text entwickelt einen derartigen Sog, dass ich ihn einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte. Die Sprache ist total klar und präzise und schafft eine bedrohliche, hitzige Atmosphäre. Poetisch, fesselnd und definitv mehr als nur ein Klimaroman! (Darlene)
»Hitze« von Victor Jestin
Der Sommer, den man niemals vergisst – das Coming-of-Age-Klischee kippt hier für den 17 jährigen Léonard allerdings über die übliche Melancholie hinaus in eine ganz düstere Richtung und liest sich dadurch erfrischend zwischen den gewohnten Genre-Handlungen. Erwachsenwerden und Selbstsuche in flirrender Hitze auf dem Campingplatz. (Jonas)
»Mein Lieblingstier heißt Winter« von Ferdinand Schmalz
Hitzewelle in Österreich. Ein Tiefkühlkost-Lieferant auf der Suche nach einer Leiche schwitzt sich durch bizarre Begegnungen in menschliche Abgründe. Vor Sprachwitz triefende, herrlich groteske Unterhaltung zwischen verschimmelten Dinosauriern, Tiefkühltruhen und erhitzten Gemütern. (Jonas)
»Diese brennende Leere« von Jorge Comensal
Mexiko City in den 2030er Jahren: Die Stadt ist von Hitzewellen und Wassermangel geplagt. Als auf dem größten Friedhof der Stadt ein Feuer ausbricht, ist nicht genügend Wasser da, um es rechtzeitig zu löschen, und so brennt der gesamte Friedhof nieder und mit ihm der benachbarte Zoo.
Karina hat derweil andere Sorgen: Sie muss mit ihrer Großmutter auf dem abgebrannten Friedhof das Grab ihrer Eltern wiederfinden. Ihr halbes Leben lang dachte sie, sie seien bei einem Autounfall gestorben, aber das merkwürdige Verhalten ihrer Großmutter seit dem Brand wirft Zweifel in ihr auf. Sie beschließt, den Friedhofswächter Silverio zu beauftragen, ihr bei der Suche nach der Wahrheit zu helfen.
Ich fand »Diese brennende Leere« extrem unterhaltsam: Die Geschichte baut gekonnt Spannung auf und humorvolle Szenen lockern die sonst eher beklemmende Beschreibung dieser nahen Zukunft auf. Thematisch spannt das Buch einen weiten Bogen: von Klima- und Artenschutz bis hin zu Alkoholismus, Korruption und dem Umgang mit dem Tod. Dem Autor gelingt es aber geschickt, alle Fäden immer wieder zusammenzuführen und mir hat es viel Freude bereitet, diesem fein konstruierten Geschichtengeflecht zu folgen. (Luise)